Städtische Galerie Villa Streccius

 

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Di. und Mi. 17–20 Uhr
Do. bis So. 14–17 Uhr



modern baroque  

Städtische Galerie Villa Streccius, Landau
2.2. – 17.3. 2019

Eröffnung:  1.2.2019 | 20 Uhr


modern baroque ist ein Ausstellungsprojekt mit 14 internationalen KünstlerInnen, das barockisierende Tendenzen in der Kunst der aktuellen Moderne untersucht.

Es geht in der Ausstellung nicht um ein idealisiertes Bild des historischen Barock, – um jenes im Barock vorherrschende Streben nach Größe, Repräsentation und festlichem Luxus, das seinen bildnerischen Ausdruck in einem Gesamtkunstwerk, in dem Architektur, Skulptur, Malerei und Dekor zu einer Einheit verschmolzen wurden, fand, – sondern um eine Reflexion unserer heutigen Gesellschaften, im Spiegel jener Phänomene, die wir mit „barock“ assoziieren.

Lifestyle-Anzeigen im monumentalen Format, die eine glamouröse Luxuswelt in Szene setzen  (Laura Schawelka) und riesige Blumenstilleben, in denen Drähte, künstliche Früchte und tropische Blüten einen hybriden Garten Eden beschwören  (Dagmar Hugk) –  das sind zwei der künstlerischen Positionen, die in der Ausstellung „modern baroque“ beispielhaft für eine Tendenz zur „Barockisierung“ in der aktuellen Moderne stehen. Charakteristisch sind etwa der Hang zu Opulenz und pompöser Ästhetik, oder raumgreifender Dynamik mit schwingenden oder seltsam gedrehten Formen (Benjamin Bronni, Iris Bouwmeester), die Aneignung ornamentalen Dekors (Gabriele Basch). Auch Ironisierung (Stoll&Wachall) oder Verfremdung (Flora Hitzing), Vergrößerung oder die Übersetzung in andere Medien (Myriam Holme) sind die Stilmittel, mit denen die KünstlerInnen das Potential barockisierender Formen auszuschöpfen. Weiter finden sich Anspielungen auf das strenge höfische Zeremoniell (Alke Reeh), auf französische Gartenarchitektur (Reiner Seliger), auf das fast wissenschaftliche Interesse an Natur (Beate Höing), auf nobilitierende Raumdekoration (Sakir Gökcebag), und auf die Fassade absolutistisch-diktatorischer Herrschaft (Parastou Forouhar).

Eine wichtige Rolle für die Inszenierung dieser Themenausstellung spielt auch der Ort, die unter Denkmalschutz stehende Villa Streccius, die sich als neoklassizistischer Bau in der halbkreisförmigen Anordnung der Räume mit den Rotunden an barocken Prinzipien orientiert.

Am Beispiel der oben genannten Werke aus den Medien Skulptur, Fotografie, Video, Installation, Malerei und Zeichnung zeigt die Ausstellung, dass als „barock“ konnotierte Stilprinzipien in der Übersetzung in heutige Kontexte und künstlerische Formsprachen eine überraschende Aktualität gewinnen. Beteiligte KünstlerInnen: Gabriele Basch/D, Iris Bouwmeester/NL, Benjamin Bronni/D, Parastou Forouhar/IR , Sakir Gökcebag/TR/D, Flora Hitzing/D, Beate Höing/D, Myriam Holme/D, Dagmar Hugk/D, Alke Reeh/D, Laura Schawelka/D, Reiner Seliger/D, Klaudia Stoll&Jaqueline Wachall/D,Fr.

Für die in der Ausstellung vertretenen KünstlerInnen sind folgende Bezugspunkte in Richtung barocker Stilistik bedeutsam:

Dynamisierung des (Bild-)Raumes

Benjamin Bronni setzt sich in Malerei und Relief mit Raumkurven auseinander, die sich mehrfach überlagern und so eine immanente Bilddynamik entwickeln. Seine Werke sind derzeit im Kunstmuseum Stuttgart in der „Frischzelle“ in einer Einzelausstellung zu sehen.




Benjamin Bronni
Ohne Titel · 2014 · MDF, Lack · 125 x 214 cm
Foto: Benjamin Bronni · © Benjamin Bronni


Verfremdung barocker Formelemente

Die seltsam verdrehten kranzähnlichen oder vulkanartigen Metallplastiken von Iris Bouwmeester, („Blue Vortex“ „Origin of Light“),  spiegeln die Faszination des Barock für die „dunkle, rätselhafte Seite“ der Natur. In ähnlicher Weise auch die grottenartigen Skulpturen von Flora Hitzing.

Sakir Gökcebags Ornamente ironisieren barocke Wanddekorationen, weil er keine wertvollen Materialien, sondern einfache Haushaltsgegenstände, wie Wäscheklammern und Putzeimer verwendet.

Parastou Forouhars Ornamente verdeutlichen den Camouflagecharakter des Ornaments: sie sind aus Folterszenen zusammengesetzt und nehmen damit Bezug auf die dunkle Seite des Barock: ein absolutes Herrschaftsssystem, das keine Abweichungen duldet („Zeit des Absolutismus“).

Scherenschnitt und Malerei, genauer Graffitti, gehen bei Gabriele Basch eine Symbiose ein, ihre ornamentalen Arbeiten changieren zwischen Tradition und Moderne.

Myriam Holme setzt ungewöhnliche Materialien wie Seife, Beize, Drähte ein und faltet und rollt monumentale Aluminiumbleche zu ungewöhnlichen dynamischen Raumgebilden.




Dagmar Hugk
Invader 34 · 2014 · Inkjetprint auf Dibond · 205 x 111 cm
Foto: Dagmar Hugk · © VG Bildkunst



Reflexion barocken Lebens

Mit ihren monumentalen Fotografien, vergrößerten Anzeigen aus Hochglanzmagazinen, die den heutigen Lifestyle einer Upperclass propagieren, verdeutlicht Laura Schawelka die Analogien zum Luxusbedürfnis des Adels im Barock.

Die weißen reifrockartigen Skulpturen von Alke Reeh evozieren das strenge Zeremoniell des höfischen Barock, ebenso ihre gewellten gewandartigen Reliefs aus Samt.

Im Video „Born to be wild“ ironisieren Jaqueline Wachall/Klaudia Stoll die barocke Freude an Verkleidungen und Maskenfesten.

-In ihren kunstvollen Skulpturen kleiner fliegender Vögel, wie den großen Porzellanvasen, die von Vögeln umflattert werden, reflektiert Beate Höing die barocke Leidenschaft für die Jagd, und verweist zugleich auf das zeitgleich erfundene Porzellan, das zur Darstellung höfischer u.ä. Szenen benutzt wurde.

Reiner Seligers Ziegelsteinskulpturen, die an in Form geschnittene (Buchs)Bäume erinnern, sind als Verweise auf den höfischen Garten mit seinen streng geometrischen Rabatten und Gartenskulpturen zu sehen.

Die großformatigen Fotografien von Dagmar Hugk zitieren barocke Blumen-und Früchte-Stillleben, sie feiern die Schönheit der Formen der Natur im Wissen um Verfall und Tod.


Lida von Mengden, Kuratorin



Veranstalter:
Kulturabteilung der Stadt Landau

 


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