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Rolf Gentz · Josef Lang  

Städtische Galerie Villa Streccius, Landau
30. März – 12. Mai 2019

Einführung zu "Rolf Gentz · Josef Lang – Landschaften und Menschen"

Konzentrate von Mensch und Natur! Mit diesem kurzen Satz ist schon ein Stück weit zusammengefasst, was diese Ausstellung zeigt: eine Zusammenschau zweier Künstler, die auf völlig unterschiedlichen Wegen arbeiten, die aber eines verbindet: der Anspruch, dem eigenen Empfinden Ausdruck zu geben. Und der vordergründigen oder schnellen Interpretation ihrer Menschen- und Naturdarstellungen eine Vielschichtigkeit im Entstehungsprozess ihrer Arbeiten und im Zugang zu ihren Themen entgegenzusetzen.

„A painting is not a picture of an experience; it is an experience“, soll der Maler Mark Rothko einmal gesagt haben. Nicht das Abbild eines Experiments macht eine Malerei aus - schon ihr Entstehungsprozess ist ein solcher. In gewisser Weise passt das zu den Malereien von Rolf Gentz, der sich immer wieder mit einer regelrechten Kompromisslosigkeit der Natur ausgesetzt hat, um nicht einfach Landschaften, sondern regelrechte Landschaftserlebnisse in Farbflächen auf die Leinwand zu bringen.

Für Gentz, der 1939 in Karlsruhe zur Welt kam und aus einer Düsseldorfer Künstlerfamilie stammt, ist der Ort, an dem seine Bilder entstehen, wichtig - und natürlich, gerade weil er bedeutsam ist, bewusst gewählt: In der Pfalz hat er ein Atelier in einer Scheune in Bobenthal eingerichtet. Mehrere Jahre hintereinander die Winter in Indien verbracht, Reise auf die Karibik-Insel Martinique unternommen, den mexikanischen Dschungel und die USA besucht. Und nicht zuletzt eine Hütte in den Bergen der Pyrenäen errichtet, um in ihr zu arbeiten - ohne Strom. Um mit der Sonne aufzustehen und mit dem Sonnenaufgang zu Bett gehen. Oder, wie er es selbst sagt, „sich der Natur auszusetzen, der Landschaft und dem Wind“.



Rolf Gentz "Zeitschnitt" · © Rolf Gentz


Wenn ich sage, dass der Entstehungsort seiner Kunst wichtig ist, so meine ich nicht, dass es Gentz vordergründig darum geht, dass der Betrachter sie auch wiedererkennt. Sie sind Ausgangspunkte einer Art Selbstbefragung, die jedes Bild, jeden Tag, jeden Malprozess von Neuem beginnt und in Farbarchitekturen mündet: Gentz komponiert Farbflächen und Strukturen zu dichten Seelenbildern, in denen sich immer wieder reale Orte und manchmal auch Gegenstände - eine Landschaft von oben beim Landeanflug, mexikanische Tempelpyramiden der Maya oder indianische Muster als Vorschlag einer indigenen Flagge für die
USA - identifizieren lassen.

„Ich suche am Morgen die Farben aus, die der Tag erfordert“, so beschreibt es Gentz. Seine Leinwandbilder entstehen aus Leinöl und Bienenwachs in einer Öl-Tempera-Technik, für die er die Farben selbst aufbereitet. Und die dafür sorgt, dass die Pigmente ein eigenes Innenleben bekommen - sie verändern das Bild im Laufe des Tages und mit dem Lichteinfall. Sein Arbeitstempo ist dabei ganz unterschiedlich: Während er auf seinen Bildern in Öl- Wachs-Technik die Zeit regelrecht ansammelt, entstehen seine Wasserfarbenbilder spontan und schnell.

Manchmal entscheidet er, dass das Werk des Vortags keinen Bestand hat - Farbfelder entstehen so und verschwinden, werden abgekratzt und durch neue ersetzt. Der Malprozess ist Teil eines Verarbeitungsprozesses und die Motive sind Chiffren für Zeiten und Erlebnisse.

Ein krasses Rot steht bei Rolf Gentz für eine große Kraft. Hinzu kommen aber die Strukturen weiterer Farbfelder, die es wie eingekästelt wirken lassen. Zeigt das Bild ein Gefängnis oder eine Art Fenster? „Wir sind alle immer mal wieder eingemauert in etwas, das wir nicht wollen“, sagt Gentz dazu. Das jüngste Werk „Passage“ hat er bis kurz vor der Ausstellung bearbeitet. Es wirkt, als habe er die Farbflächen für einen Moment zur Ordnung gerufen - aber man spürt, dass es noch weitergehen könnte. Dass der ein oder andere Teil der Komposition vielleicht noch nicht abgeschlossen ist.



Arbeitet auch Josef Lang immer weiter an seinen Skulpturen? Sind sie gleich für ihn abgeschlossen, kaum hat er sie in ein frisches Gelb, leuchtendes Rot, zurückgenommenes Schwarz gefasst? Sicher ist, dass er, bevor die eigentliche Arbeit beginnt, jedes Mal einige Zeit braucht, um sich für einen gewissen Ausdruck, den seine Skulptur bekommen sollen, zu entscheiden: Nicht selten warten die bis zu drei Meter hohen Stämme einige Zeit auf der Diele seines Ateliers in Denklingen, werden vom Künstler lange umrundet - bis er entscheidet, was in ihnen steckt.

Wer durch die Villa Streccius läuft, bemerkt schnell diesen schönen Kontrast zwischen den feudalen Räumen der Gründerzeitarchitektur und den groben, regelrecht bodenständigen Skulpturen von Josef Lang. Etwas irritierend sticht aus der Reihe an konzentrierten Menschendarstellungen die naturalistische Darstellung eines Mannes im Flur des ersten Stocks heraus. Da steht „Dogi“, ein Modell aus Josef Langs Studienzeit in München, in der er auch Anatomieseminare besuchte, um zu verstehen, wie ein Körper wirklich funktioniert. Um sich eine Grundlage zu erarbeiten, auf der er seine Menschenbilder immer stärker abstrahieren, auf das Wesentliche reduzieren und konzentrieren kann.




Josef Lang "Leo guckt" · @ Pio Mars


Josef Lang, Jahrgang 1947, beschäftigt sich seit langem schon mit dem Figürlichen - das zeigt nicht zuletzt Dogi, der 1982 entstand. Und, wie eigentlich alle seiner Skulpturen, eigentlich keine reale Person abbilden will. Denn Lang sucht im Holz nach Wesenhaften: nach Emotionen, die im Material eingeschrieben sind und mit der Kettensäge freigelegt werden müssen.

Lang arbeitet mit schwerem Gerät und damit sehr spontan und schnell seine Figuren aus dem Holz. Arbeitsspuren werden stehen gelassen, Risse bleiben und werden eingebunden in die Gesamtkomposition. Der Begriff Gesamtkomposition ist dabei bewusst gewählt. Denn seine Arbeiten müssen umrundet werden, sie haben keine Schauseite, sondern bieten mit jeder Bewegung des Betrachters neue Sichtweisen auf die Figur, ihr Material, ihre Materialität.

Josef Langs Skulpturen strahlen Selbstbewusstsein und Sensibilität, Humor und Verletzlichkeit aus. Sie führen ein Eigenleben, ohne sich auf explizite Vorbilder zu beziehen. Sondern um zu unterstreichen, als was sie gedacht sind: als personifizierte Befindlichkeiten. Als Figuren, die in ihrer Grobheit zugleich für eine Bodenhaftung, für eine Selbstgewissheit stehen. Und für eine große Menschlichkeit.

Annika Wind


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Öffnungszeiten:

Di. und Mi. 17–20 Uhr | Do. bis So. 14–17 Uhr
Karfreitag und Ostersonntag geschlossen
Mittwoch, 1. Mai, von 14–17 Uhr geöffnet



Kurator:
Jürgen Pils

Veranstalter:
Kulturabteilung der Stadt Landau

 


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